Die Tauchversicherung, die du wirklich brauchst
ein vollständiger Leitfaden
Es gibt ein Gespräch, das viele vor ihrem ersten Liveaboard nicht führen — und auch nicht vor dem Tauchen vom Land aus. Was passiert, wenn unter Wasser etwas schiefläuft? Keine angenehme Frage, aber eine mit einer sehr konkreten Antwort: Ohne die richtige Versicherung ist eine Rechnung von 30.000 bis 40.000 Dollar deine eigene.
Dieser Leitfaden erklärt, welche Versicherungen es gibt, welche du je nach deinem Profil brauchst, und was man erst dann erfährt, wenn man wirklich einen Anspruch geltend machen muss.
Was ein Tauchunfall kosten kann
Wenn ein Taucher eine Dekompressionserkrankung oder ein schweres Barotrauma erleidet, läuft die Behandlung über eine Druckkammer — eine Druckkapsel, in der der Patient unter hohem Druck reinen Sauerstoff atmet, um den in den Geweben angesammelten Stickstoff zu eliminieren. Das ist weder eine schnelle noch eine günstige Behandlung.
Eine Standardsitzung dauert 4 bis 8 Stunden und kostet zwischen 800 und 2.000 USD pro Stunde. In schweren Fällen sind mehrere Sitzungen an aufeinanderfolgenden Tagen nötig. Dazu kommen die Evakuierung von einem abgelegenen Ziel (5.000–15.000 USD), das Krankenhaus und die Rückführung — ein schwerer Unfall kann leicht die 40.000 USD überschreiten.
Ein Detail, das viele nicht wissen: Nicht alle Druckkammern sind in der Nähe. Auf den Malediven steht die nächste in Malé — wer im südlichen Atoll taucht, ist stundenlang entfernt. An einigen abgelegenen Punkten Indonesiens kann die Evakuierung erheblich kompliziert sein. Die Versicherung zahlt nicht nur die Kammer — sie koordiniert und bezahlt auch den Weg dorthin.
Welche Versicherungen ein Taucher braucht
Für Freizeittaucher — ob vom Land oder von einem Liveaboard — gibt es zwei verschiedene Absicherungen für zwei verschiedene Risiken.
Tauchunfallversicherung: deckt Druckkammer, medizinische Evakuierung, Krankenhausaufenthalt und Rückführung. Die wichtigste und spezifischste. Angeboten von DAN, DiveAssure und anderen Spezialanbietern.
Reiseversicherung: deckt verpasste Flüge, Gepäck, Reiseabbruch und nicht tauchbezogene Erkrankungen. DAN selbst sagt: Ihre Tauchdeckung ist keine vollständige Reiseversicherung. Man braucht beide.
Beide zusammen kosten für eine Woche zwischen 50 und 120 € — ein Bruchteil dessen, was jeder Unfall ohne Versicherung kosten würde.
Und die Haftpflicht? Die brauchen nur Tauchinstruktoren, Guides und Divemaster — Profis, die Schüler oder Kunden führen. Wer auf eigene Faust taucht, braucht sie nicht.

Deckt die Reiseversicherung oder die Kreditkartenversicherung das Tauchen ab?
Die am häufigsten gestellte Frage. Die direkte Antwort: in den meisten Fällen nein.
Standard-Reiseversicherungen und kreditkarteneigene Versicherungen betrachten Tauchen als Risikosport und schließen es standardmäßig aus oder begrenzen die Tiefe auf 18–30 Meter. Selbst wenn eine Reiseversicherung Tauchen einschließt, deckt sie oft nur die medizinischen Kosten, nicht aber die spezialisierte Druckkammerevakuierung.
Es gibt Ausnahmen — manche Reiseversicherungen schließen Freizeittauchen ein. Aber es gibt einen wichtigen Unterschied, auch wenn das Papier dasselbe aussagt: Wenn man um 3 Uhr morgens aus einem Krankenhaus in Bali mit Symptomen einer Dekompressionserkrankung anruft, ist am anderen Ende bei DAN ein Facharzt für Tauchmedizin, der die Behandlungsprotokolle und die verfügbaren Kammern in der Region kennt. Bei einer allgemeinen Reiseversicherung ist ein Assistenzoperator, der einem allgemeinen Notfallprotokoll folgt.
Bei Dekompressionserkrankungen ist die Zeit bis zur Behandlung der kritischste Faktor für die Prognose. Ernsthaft, geh kein Risiko ein.
Primärversicherung vs. Sekundärversicherung
Bevor man spezifische Versicherungen vergleicht, ist ein Konzept wichtig zu verstehen, weil es in einem echten Notfall viel ausmacht.
Primärversicherung: zahlt direkt an das Krankenhaus oder den Gesundheitsdienstleister, ohne dass man vorher etwas vorstrecken muss. Man kommt ins Krankenhaus, wird behandelt, die Versicherung zahlt.
Sekundärversicherung: greift, nachdem die eigene Krankenversicherung ausgeschöpft wurde. Man muss zunächst die eigene Krankenversicherung in Anspruch nehmen, und die Tauchversicherung deckt den Rest. In einem Krankenhaus in Indonesien oder auf den Malediven, das Vorauszahlung vor der Behandlung verlangt, kann das ein sehr ernstes Problem sein.
Die meisten Tauchversicherungen sind Sekundärversicherungen. Das macht sie nicht schlecht — man muss es nur wissen, bevor man sich auf der anderen Seite der Welt im Notfall befindet.
Die spezialisierten Tauchversicherungen
DAN — der bekannteste und warum

DDAN (Divers Alert Network) ist seit Jahrzehnten die Referenz in der Branche. Es ist die Organisation, die am meisten in die Tauchunfallforschung investiert hat, und hat Fachärzte rund um die Uhr mit Vereinbarungen bei über 500 Druckkammern weltweit.
DAN ist nicht eine einzige Organisation. Es sind fünf unabhängige regionale Einheiten, die Namen und Auftrag teilen, aber eigenständig arbeiten. Der Wohnsitz bestimmt, bei welcher man sich anmelden sollte:
- DAN America (dan.org) — USA und Kanada.
- DAN Europe (daneurope.org) — Europa, Mittelmeer, Rotes Meer, Naher Osten und nördlicher Indischer Ozean. Für Einwohner Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, Spaniens, Frankreichs, Italiens, Griechenlands und umliegender Länder.
- DAN World (world.dan.org) — Lateinamerika, Karibik, Asien-Pazifik und Australien.
- DAN Japan — Japan und zugehörige Inseln.
- DAN Southern Africa (dansa.org) — Südafrika und Region.
Der Wohnsitz bestimmt, wo man sich anmeldet. Ein Einwohner Deutschlands kann sich nicht bei DAN World anmelden — und umgekehrt.
Mitgliedschaft vs. Versicherung — das ist nicht dasselbe. Die Basismitgliedschaft (~25 €/Jahr bei DAN Europe) gibt Zugang zur medizinischen Hotline und Beratung, deckt aber nicht die Kosten eines Unfalls. Die Versicherung wird separat abgeschlossen — die Versicherungspläne schließen die Mitgliedschaft jedoch im Preis ein.
Die Pläne von DAN Europe:
Freizeitpläne decken Tauchunfälle, Druckkammer und Evakuierung ab. Die umfassenderen Pläne fügen medizinische Deckung für nicht tauchbezogene Notfälle im Ausland hinzu, mit unterschiedlichen Tageslimits und Höchstbeträgen je nach gebuschtem Niveau. Ungefährer Preis: 50–80 €/Jahr.
Profipläne fügen Berufshaftpflicht bis zu 4 Millionen Euro, Deckung für Profiausrüstung und mehr internationale Deckungstage hinzu. Für Instruktoren, Guides und Divemaster. Ungefährer Preis: 160–200 €/Jahr.
Versicherungstyp: sekundär bei den meisten Plänen.
DiveAssure — die Alternative mit konkreten Vorteilen

Die wichtigste Alternative zu DAN für Taucher, die viel reisen. Drei echte Unterschiede zum Rest des Marktes:
Primärversicherung: zahlt direkt an den Gesundheitsdienstleister, ohne dass man vorher etwas vorstrecken muss. An abgelegenen Zielen, wo Krankenhäuser Vorauszahlung verlangen, ist das ein sehr konkreter Unterschied.
Deckt verlorene Tauchtage: Wenn schlechtes Wetter oder Krankheit das Tauchen verhindert, entschädigt DiveAssure die verlorenen Tage. Kein anderer spezialisierter Tauchversicherungsanbieter deckt das.
Deckt verpasste Liveaboard-Abfahrt: Wenn man die Bootsabfahrt aus unverschuldeten Gründen verpasst, gibt es spezifische Deckung. Einzigartig auf dem Markt.
Keine Tiefenbegrenzung für Freizeittauchen. Spezifischer Plan für technisches Tauchen.
Versicherungstyp: primär.
Web: diveassure.com
DAN vs. DiveAssure: Welche wählen?
Wer hauptsächlich in Europa und im Mittelmeer taucht und die Branchenreferenz mit jahrzehntelanger Erfahrung möchte: DAN Europe.
Wer viele verschiedene Ziele bereist, eine Primärversicherung ohne Vorauszahlung im Notfall möchte oder die Deckung für verlorene Liveaboard-Tage schätzt: DiveAssure.
Es gibt keine universelle Antwort — es hängt davon ab, wie man taucht.
Aqua Med

Eine der am häufigsten abgeschlossenen Tauchversicherungen im deutschsprachigen Raum. Wichtig zu wissen: Aqua Med funktioniert in vielen Fällen als Sekundärversicherung — an abgelegenen Zielen kann es verlangen, dass man zuerst die eigene Krankenversicherung in Anspruch nimmt, bevor Aqua Med den Rest übernimmt. Es gibt dokumentierte Konflikte durch diese Klausel an weit entfernten Zielen. Die Bedingungen vor dem Abschluss genau lesen.
Versicherungstyp: sekundär.
VDST-Versicherung

Die Versicherung für VDST-Vereinsmitglieder. Deckt Tauchunfälle mit spezifischen Bedingungen ab. Wichtig: Die Tiefengrenzen sind an die Zertifizierung des Tauchers gekoppelt — Tauchgänge außerhalb der Grenzen der eigenen Qualifikation können bei der Schadensregulierung zu Streitigkeiten führen. Das Vorhandensein eines ärztlichen Attests hat direkte Auswirkungen auf den Versicherungsschutz.
Vergleichstabelle
| DAN Europe | DiveAssure | Aqua Med | VDST | |
|---|---|---|---|---|
| Typ | Sekundär | Primär | Sekundär | Sekundär |
| Geografische Deckung | Europa, Mittelmeer, Rotes Meer, nördl. Indischer Ozean | Weltweit | International | International |
| Druckkammer | Ja | Ja | Ja | Ja |
| Medizinische Evakuierung | Ja | Ja | Ja | Ja |
| Verlorene Tauchtage | Nein | Ja | Nein | Nein |
| Verpasste Liveaboard-Abfahrt | Nein | Ja | Nein | Nein |
| Technisches Tauchen | Spezifischer Plan | Spezifischer Plan | Nein | Nein |
| Berufshaftpflicht | Pro-Plan | Optional | Einige Pläne | Einige Pläne |
| Ungefährer Preis/Jahr | 50 – 80 € | 70 – 120 € | 40 – 80 € | Im Vereinsbeitrag |
Worauf man vor dem Abschluss einer Tauchversicherung achten sollte
Nicht alle Tauchversicherungen decken dasselbe ab, auch wenn sie ähnlich aussehen. Das sind die konkreten Punkte, die man vor der Unterschrift prüfen sollte:
Primär oder sekundär. Das ist das Erste, was man prüfen sollte. Bei abgelegenen Zielen vermeidet eine Primärversicherung, im schlimmsten Moment Geld vorstrecken zu müssen.
Tiefengrenzen. Manche Versicherungen decken nur bis 18 oder 30 Meter ab. Wer regelmäßig tiefer taucht, sollte sicherstellen, dass die Versicherung keine solche Einschränkung hat. DAN Europe hat keine für Freizeittauchen.
Tiefengrenzen gekoppelt an die Zertifizierung. Manche Versicherungen schließen Tauchgänge aus, die die Grenzen der eigenen Qualifikation überschreiten. Das Klein gedruckte lesen.
Technisches Tauchen. Standardversicherungen decken keine Gasmischungen, geplante Dekompression oder Tiefen über 40 Meter ab. Wer technisch taucht, braucht einen spezifischen Plan.
Geografische Deckung. Manche Versicherungen haben regionale Einschränkungen oder verlangen vorherige Meldung beim Tauchen außerhalb des Heimatlandes.
Was genau die Evakuierung umfasst. Manche Versicherungen decken die Druckkammerbehandlung ab, aber nicht den Transport dorthin. An abgelegenen Zielen kann der Transport der teuerste Teil sein.
Deckung ab wann. Manche Versicherungen decken nur während des Tauchgangs ab. Andere decken vom Beginn bis zum Ende der Tauchaktivität ab — einschließlich was auf dem Boot vor und nach dem Tauchgang passiert.
Ausschlüsse durch Alkohol oder andere Substanzen. Fast alle Versicherungen schließen Unfälle unter Alkoholeinfluss aus. Das steht in den allgemeinen Bedingungen aller Anbieter.

Wie man die richtige wählt
Wo taucht man? Wer hauptsächlich in Europa und im Mittelmeer taucht: DAN Europe. Wer weltweit reist: DiveAssure hat Deckung ohne geografische Einschränkungen.
Wie oft im Jahr? Mehr als 3–4 Ausflüge: Jahresversicherung. Weniger: Manche Betreiber schließen eine DAN-Versicherung bei jeder Liveaboard-Buchung ein — beim Reservieren anfragen, es ist kostenlos, und kann für diese konkreten Ausflüge ausreichen. Liveaboards mit kostenloser DAN-Versicherung finden →
Technisches Tauchen? Standardversicherungen decken keine Gasmischungen, geplante Dekompression oder Tiefen über 40 Meter ab. DAN Europe und DiveAssure haben spezifische Pläne für technisches Tauchen.
Bist du Profi? Instruktor, Guide oder Divemaster braucht zusätzlich zur persönlichen Deckung Berufshaftpflicht. Die Pro-Pläne von DAN Europe schließen Haftpflicht bis zu 4 Millionen Euro ein.
Jahresversicherung vs. Tagesversicherung
Ein Basisplan von DAN Europe kostet ungefähr 50–80 € pro Jahr. Die Wochenversicherung entspricht etwa 15–25 € pro Reise.
Der Break-even-Punkt liegt bei 3–4 Reisen pro Jahr. Wer öfter taucht, zahlt mit der Jahresversicherung weniger und ist außerdem auch beim Tauchen zu Hause abgesichert, nicht nur auf Reisen.

Häufig gestellte Fragen
Brauche ich eine Versicherung, auch wenn ich nur im eigenen Land tauche? Ja. Eine Druckkammer kostet überall gleich viel. Und auf offener See weit von der Küste entfernt kann eine Evakuierung nötig sein, auch wenn man in der Heimat ist.
Deckt die Versicherung ab, wenn man tiefer als die eigene Zertifizierung erlaubt taucht? DAN Europe hat keine Tiefenausschlussklausel — die Deckung gilt auch wenn man tiefer als empfohlen getaucht ist. Andere Versicherungen können solche Situationen ausschließen. Die Bedingungen vor dem Abschluss lesen ist unerlässlich.
Deckt die Versicherung das Solotauchen ab? Die meisten spezialisierten Tauchversicherungen ja. Reiseversicherungen können restriktivere Klauseln haben.
Wie lange dauert man in der Druckkammer? Eine Standardbehandlung dauert etwa 4 Stunden und 45 Minuten. In schweren Fällen können mehrere Sitzungen an aufeinanderfolgenden Tagen nötig sein.
Gibt es Familienversicherungen? DAN Europe hat Familienmitgliedschaftsoptionen. DAN America deckt auch Partner und Kinder in einigen Plänen ab. DiveAssure bietet Familienpläne mit Rabatt an.
Deckt die Versicherung Ziele mit politischer Instabilität ab? DAN Europe behält die Deckung für Unfälle bei, die nicht direkt durch Bürgerunruhen verursacht werden, auch wenn die Unterstützung eingeschränkt sein kann, falls die lokalen Dienste beeinträchtigt sind.
Offizielle Webseiten
- DAN Europe: daneurope.org
- DAN America: dan.org
- DAN World (Lateinamerika, Asien-Pazifik, Australien): world.dan.org
- DAN Southern Africa: dansa.org
- DiveAssure: diveassure.com
Hast du Fragen dazu, welche Versicherung zu deiner konkreten Situation passt? Schreib uns in die Kommentare.